Cowboys und Mädchenträume unter dem Fernsehturm

Auf dieser Messe gibt es alles, und davon ganz viel: schicke Mode für die Reiterin, eine Halle im Wildwest-Design und 30 Schmiede aus ganz Deutschland, die aus 6500 Hufeisen einen Weltrekord aufstellen wollen.

Schon von Weitem kann man sie hören: Ganz hinten in der Ecke der Halle A2 wird gehämmert und geschweißt, gearbeitet und geschwitzt. Hier fliegen die Funken, und es ist laut. Sehr laut. Diese Ecke ist einer der wenigen Orte bei der HansePferd, der nicht von kleinen Mädchen bevölkert wird, die sonst so inflationär die Messe überspülen. In dieser Ecke arbeiten die Hufschmiede, 30 an der Zahl, und sie haben einen Auftrag: den Hamburger Michel nachzubauen - nicht in Originalgröße, aber maßstabsgetreu aus mehr als 6000 Hufeisen. Einen Weltrekord wollen sie damit aufstellen, und deshalb packen auch alle kräftig mit an.

Mitten in dieser Exklave der Männlichkeit steht Wolfgang Bruhn, Hufschmied aus Hamburg, und reibt sich zufrieden die Hände: "Tausend Eisen sind schon weg", sagt er. Und das kann man auch sehen: Zwei Wände des Hufeisen-Michels stehen schon. 6,60 Meter hoch soll das Bauwerk werden, wenn es fertig ist, 3,55 Meter lang und 2,55 Meter breit.

Am Freitag hat die HansePferd zum 13. Mal ihre Tore geöffnet, und schon am Vormittag strömten viele kleine und vor allem weibliche Pferdefreundinnen auf das Gelände. "Die Hallen sind gut gefüllt, wir sind bisher sehr zufrieden", sagt Jusrah Doosry, Sprecherin der Hamburg Messe. Rund 470 Aussteller aus 16 Ländern präsentieren sich noch bis Sonntag täglich von 10 bis 19 Uhr. Bei einem Rundgang stellt man schnell fest: Bei der HansePferd gibt es alles - und davon ganz viel. 50 verschiede Variationen von Gerten und Halftern an einem Stand sind keine Seltenheit, es gibt Führstricke in allen Farben des Regenbogens, Sättel, Decken, Bandagen - gerade die Hallen B1 bis B4 sind für alle Pferdefreunde ein riesiges Schlaraffenland und bieten garantiert mehr als genug Möglichkeiten, das Taschengeld von drei Monaten zu verjubeln.

Vor allem die modebewusste Reiterin wird hier garantiert fündig werden. Manche Stände sehen aus wie eine Filiale von H&M, laute Popmusik schallt aus den Lautsprechern, Mädchen drehen sich mit einem prüfenden Blick in schicken Steppwesten vor den Spiegeln. Halle A2, dort, wo der Hufeisenmichel entsteht, ist die Western-Halle. Das kann man gleich beim Reingehen sehen. Es riecht nach Leder und Sägespänen, und nicht selten läuft einem ein echter Cowboy mit Hut und Fransenjacke über den Weg. Das sind in den meisten Fällen die Verkäufer, die sich stilecht verkleidet haben. Ihre Stände heißen "Western Store" oder "Western World" - alles soll hier so wildwestmäßig wie möglich aussehen. Ein Saloon mit Schwingtüren und Kakteen aus Plastik tun da ihr Übriges. Gegenüber in der Halle A4 findet man aber das, worum es vor allem geht: Pferde und Ponys. Es gibt kleine und große, dicke und dünne, edle Araber und stämmige Kaltblüter. Rund 300 Pferde aus über 35 Rassen können hier bewundert und gestreichelt werden. In der Mitte gibt es, so wie in fast jeder Halle, ein Rondell aus Sand, in dem Pferde und Reiter kleine Kunststücke vorführen. Das Herzstück der Messe ist die große Gala-Show an den Abenden. 15 Show-Acts aus aller Welt versuchen hier, das Publikum mit mal spektakulären und mal träumerischen Darbietungen zu begeistern. Die Karten hierfür sind ab 39 Euro erhältlich, der normale Messeeintritt kostet 11, für Kinder 7,50 Euro. Für alle, die es etwas besinnlicher mögen, dürfte der Pferde-Gottesdienst am Sonntagvormittag um 11 Uhr das Richtige sein. "Das Pferd ist kein Sportgerät" lautet das Thema, der ehemalige Hauptpastor des Michels, Helge Adolphsen, wird die Predigt halten.

Endgültig schließen wird die Messe am Sonntagabend um 19 Uhr. Der bis dahin hoffentlich fertig geschmiedete Hufeisenmichel ist schon im Vorfeld an den Hamburger Kaffeeröster Albert Darboven verkauft worden. Das Geld bekommt eine Obdachlosenhilfe. Das Bauwerk wird dann an der Horner Rennbahn seinen Platz bekommen - sofern die Schmiede es schaffen, ihn dorthin zu transportieren. Der Eisenmichel wiegt dann nämlich die Kleinigkeit von 1,6 Tonnen.

Quelle: Hamburger Abendblatt - Nina Paulsen - 17. April 2010