Das Geheimnis des Hufschmieds

do Hamburg - Mit einer großen Überraschung endete auf der Trabrennbahn in Bahrenfeld der mit 112 350 Mark dotierte - Deutschland-Pokal" . Der sechsjährige Wallach Schwarzer Steward, der im Besitz des Bahrenfelder Verwaltungsrats-Mitgliedes Georg Sturzenbecher steht, setzte sich mit seinem Trainer Hans Lehmkuhl im Sulky sicher gegen 18 Konkurrenten durch. Zweiter wurde Yeaning Boshoeve (Henning Rathjen) vor Aruschaa (Dan Wegebrand).

Das Geheimnis des Erfolges von Schwarzer Steward hieß "Teddy". Mit diesem Spitznamen wird auf der Rennbahn in Bahrenfeld der Hufschmied Wolfgang Bruhn tituliert. Am Nachmittag kehrte er gerade rechtzeitig von einem Wochenendausflug an die Ostsee zurück. Wenige Minuten vor dem Start beschlug er Schwarzer Steward mit ein Paar Pilzeisen. Schwarzer Steward gewann nach einer begeisternden Leistung in der Kilometerzeit von 1:18,1 Minuten.

"Eigentlich hatte ich mir den Sieg nicht so leicht vorgestellt. Aber wir bekamen vom Start weg ein Idealrennen, und ich wußte schon 300 Meter vor dem Ziel, daß wir nun nicht mehr verlleren könnten", kommentierte Hans Lehmkuhl seinen Triumph. Nach dem Start machte die Stute Yeaning Boshoeve ein solch hohes Tempo, daß die Konkurrenz schon nach 300 Metern deutlichen Rückstand hatte. Erst auf der Zielgeraden steuerte Hans Lehmkuhl sein Pferd dann aus dem Windschatten heraus und ging sofort überlegen in Front. Am Ende hatte Schwarzer Steward eineinhalb Längen Vorsprung vor dem Zweitplazierten. Dabei profitierte der Wallach auch von der Tatsache, daß die Mitfavoriten 20 Meter oder sogar 40 Meter (Prestadet) Zulage aufzuholen hatten.

Mit dem Siegpreis von 56 175 Mark hatte Schwarzer Steward den größten Zahltag semer Karriere. Der Sechsjährige, der in den vergangenen beiden Jahren in Norddeutschland zum "Traber des Jahres" gewählt worden war, hat nach diesem sensationellen Sieg beste Chancen, diesen Titel auch zum drittenmal zu gewinnen. "Dieser Erfolg ist wohl der schönste in meiner Karriere", sagte Hans Lehmkuhl, der vor neun Tagen seinen 59. Geburtstag gefeiert hatte. Auch Besitzer Georg Sturzenbecher (79) war glücklich: "Ich habe seit einigen Jahrzehnten Pferde, aber dieser Sieg ist der bedeutendste."

HTRG- Verwaltungsratsmitglied Sturzenbecher hatte noch einen weiteren Grund, mit dem Renntag zufrieden zu sein. Die 10 000 Besucher sorgten für 683 788 Mark Umsatz an den Wettschaltern. Dies ist das zweitbeste Umsatzergebnis des Jahres.

Das Saisondebüt des Import-Amerikaners Spiee Island (927 972 Mark Gewinnsumme) war zufriedenstellend. Kurt Hörmann konnte im Rahmenprogramm zwar gegen den bayerischen Gast Meficor (Helmut Biendl) nicht gewinnen, doch trabte Spiee Island mit 1:16,9 Minuten eine hervorragende Kilometerzeit.

Quelle: Hamburger Abendblatt - 14.Oktober 1985